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Tipp was tun?

Discussion in 'Menschliches und Familie' started by casara, Aug 13, 2010.

  1. hallöchen,

    immer weider holt mich (26Jahre, weiblich) meine vergangenheit ein, die wirklich alles andere als schön war.. bin quasi von zu hause geflohen, weil ich den ganzen psychoterror nicht mehr ausgehalten habe und somit lernte ich meinen damaligen freund kennen. ich dachte der terror hört mal auf, aber diesmal war es nicht nur psychisch, sondern auch physisch - er speerte mich ein, hat mich täglich geschlagen... dann floh ich auch über nacht wieder von ihm gaaaaaaanz weit weg.. fing komplett ein neues leben an. von null... ich lenkte mich mit arbeit ab und baute mir mein leben auf.. zum ersten mal begann ich wieder zu spüren was leben heißt... ich lernte wieder einen mann kennen, vorsichtig wie ich war gab ich mir und uns zeit.. diesmal war alles anders, zumindestens kein psycho oder schläger.. nach langer zeit gab ich auch mein leben dort auf und zog zu ihm.. dort lernte ich dann wiederum eine andere art von schmerz kennen - die absolute einsamkeit gefangen... ich wurde immer deprimierter und verlor den bezug zum leben... nach langem hin und her, beschlos ich - nein das kann es auch nicht sein und somit zog ich aus, diesmal blieb ich hier in der gegend.. dies ist jetzt gute zwei jahre her... wir trafen uns hin und wieder und in meinen augen verstanden wir uns mittlerweile freundschaftlich ganz gut.. vor kurzen erzählte er mir, dass er nicht mehr ohne alkohol leben kann, sein leben keinen sinn mehr hat und er sich im endeffekt was antun möchte, aber nichtt ohne den menschen, die ihm noch am herzen liegen.. ich habe ihm klar gemacht, das ich nicht helfen kann... mein vater hatte damals eine phase, indem der alkohol ihn zu einem anderen menschen gemacht hat und ich wollte ihn mit jungen jahren retten... es war schrecklich für mich und ich verlor mein leben dabei.. somit kamen all diese bilder wieder in mir hoch... dann mit dem ganzen ich bringe mich um, kamen die bilder meines damaligen ex auch wieder, was wirklich der reinste horror war.. all die bilder wie er vor mir stand, mit dem messer in der hand und sich dann vor meinen augen, nachdem er so tat als sticht er bei mir zu, sich selbst sehr tief in den arm stach... ich bin zur zeit wieder so durcheinander, da ich im grunde wieder mal mein leben für mich im griff hatte und jetzt ist sie da - die vergangenheit... es klingt vielleicht blöd, aber mir ist egal ob er sich was antut oder sein leben dadurch entgültig verliert ich bin jetzt schon kanppe 40 stunden wach, weil ich einfach nur noch angst habe - angst vor den bildern im traum, angst davor das mir wieder alles genommen wird... vor kurzen lernte ich einen mann kennen, der wieder anders ist als die zwei davor, als mein dad.. doch nun habe ich selbst davor angst... durch das ganze erlebte bin ich nach außen ziemlich hart geworden und jeder denkt nur - na die hat ja nie probleme oder wenn doch das schafft die schon allein.. ich war/bin immer da, doch wenn ich mal wen brauche, versteht mich keiner, oh ich habe jetzt keine zeit für dich... im grunde wollte ich das jetzt einfach mal loswerden.. sollte ich wieder flüchten und somit davonrennen? sollte ich dem "neuen", den ich jetzt gerade mal 4 wocehn kennengelernt habe (wir sind nicht zusammen) davon erzählen bzw überhaupt mich weiterhin treffen? warum kommen diese bilder immerwieder, wenn ich gerade mal wieder angefangen habe zu leben?

    danke fürs lesen
  2. Neelix1965

    Neelix1965 German "Soapboxer"

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    AW: was tun?

    Hallo casara,

    im Grunde kannst du nicht vor deinen Problemen und deiner Vergangenheit davonlaufen. Sie werden dich immer wieder einholen ... solange du dich ihnen nicht stellst.

    Du solltest folgendes in Betracht ziehen zu tun - nicht nur zu versuchen:

    Ganz wichtig ist: Mach dir klar und verinnerliche, dass du deinem Vater und deinen EX-Freunden nicht helfen konntest und es auch nicht deine Aufgabe war oder ist ihnen "zu helfen".

    Aus deiner Erzählung lese ich, dass alle (Vater und Ex-Freunde) im Grunde süchtig sind - sei es Alkohol wie bei deinem Vater, gewalttätige Tendenzen wie bei deinem ersten Ex oder psychische Störungen bzw. Kontrollbedürfnis deines letzten Ex (für uns Laien ist es oft schwer bis unmöglich herauszufinden ob Selbstmorddrohungen ein Hilfeschrei oder der Versuch sind den/die Partner/in 'unter Kontrolle' zu haben bzw. an sich zu binden).

    Es gibt nur eine Person, die diesen Leuten helfen können - das sind sie selbst. Wie jeder Süchtige müssen sie erst auf den 'absoluten Nullpunkt' kommen und aus eigenem Antrieb aus ihrem jeweiligen Teufelskreis raus wollen ... dann finden diese Menschen auch genügend Fachleute die sie dabei unterstützen und führen - DAS IST NICHT DEINE AUFGABE!!!

    *** Ich selbst bin ein Co-Alkoholiker. Mein Vater hat die überwiegende Zeit an die ich mich erinnere getrunken (Er war - in späteren Zeiten - definitiv ein so gen. "Spiegeltrinker" - der ständig einen bestimmten Alkoholpegel benötigte um "zu funktionieren").

    Darüber hinaus habe ich irgendwann gemerkt, dass meine Mutter unfähig bzw. unwillig war, die Verantwortung für ihre Entscheidungen oder ihr Handeln zu übernehmen. Sie brauchte immer jemanden der ... SCHULD daran war. Selbst wenn sie mal zu gab einen Fehler begangen zu haben, kam sofort ein "... aber nur weil der XX / die YY ... dieses oder jenes gemacht, gesagt, mich so erzogen, .... hat". Ich musste erkennen, dass auch dies im Grunde eine Sucht meiner Mutter war.

    Als Angehöriger eines solchen Süchtigen ist man oft versucht, diese Sucht oder deren Sichtbarkeit vor der Öffentlichkeit und sich selbst zu verstecken bzw. zu überspielen. Das fängt an mit Entschuldigungen finden ("Er/Sie hatte einen schlimmen Tag!", "Das beruhigt ihn/sie." oder auch "Ein Schlückchen in Ehren kann niemand verwehren"), geht weiter damit, dass man hinter ihm/ihr her aufräumt und versucht alles "normal" aussehen zu lassen und endet unter Umständen in dem Versuch ihn/sie zu kontrollieren damit er/sie nicht in der Öffentlichkeit säuft oder auffällt.

    Doch diese Aktionen führen nur zu einem: Der/Die Süchtige hat es dadurch leichter sich seiner Sucht hinzugeben! Es verstärkt sie sozusagen.

    Einen Süchtigen hilft nur eins: schonungslose Offenheit und konsequentes Nichthelfen. Nur das kann ihn/sie dazu bringen zu erkennen, dass er/sie süchtig ist.

    Du hast damals einen Teil dessen gemacht, was du tun musstest um aus diesem Teufelskreis rauszukommen ... du bist gegangen - hast eine große Entfernung zwischen dich und dem Problem gebracht. Aber du musst auch den nächsten Schritt tun und deine 'Krankheit' und ihre Denk- und Gefühlsmuster erkennen und dagegen angehen.

    Manche Menschen schaffen dies alleine - andere brauchen dabei Hilfe. Das ist nicht wichtig - wichtig ist, dass du es schaffst. Mir ging es genauso damals mit 21 - ich musste erkennen, dass ich und meine gesamte Familie Co-Alkoholiker sind und dass ich meinem Vater (Alkoholiker) und meiner Mutter ('aktive' Co-Alkoholikerin - damit die Nachbarn ja nichts mitbekommen) weder helfen konnte noch dass es gar nicht meine Aufgabe ist.

    Meiner Meinung nach haben Alkoholiker und Co-Alkoholiker eines gemeinsam: beide sind süchtig bzw. zeigen Suchtverhalten. Somit müssen beide - alleine und jeder für sich - dies erkennen und etwas dagegen unternehmen (wollen).

    Man kann lernen damit bewusst umzugehen und es kontrollieren und vielleicht vermindern - aber loswerden kann man es nicht. In meinem Fall haben die Sucht meines Vaters und meiner Mutter natürlich auch Spuren hinterlassen:

    • Ich werde in meinem Auftreten absolut verschlossen und 'hölzern' wenn ich es mit akut betrunkenen Leuten zu tun habe. Ich versuche solche Begegnungen größtenteils zu verhindern.
    • Ich reagiere 'äußerst allergisch' auf Menschen bei denen ich merke, dass sie die Verantwortung für ihr Handeln oder ihre Entscheidungen versuchen auf andere Menschen oder Umstände zu schieben.
      "Weil ich so erzogen wurde" lass ich nicht gelten - höchstens bei einem Menschen unter 19/20 Jahren. Denn die Erziehung hört - rechtlich gesehen - mit 18 auf ... danach ist es meine Verantwortung wenn ich ein schlechtes oder hinderliches Verhaltens-/Denkmuster beibehalte!!!
    (Entschuldige, dass es 'etwas' länger geworden ist - ich habe scheinbar viel zu diesem Thema zu sagen :eek:)
  3. AW: was tun?

    hallöchen neelix,

    erstemal danke, dass du mir geantwortet hast. ich habe auch das gefühl gehabt, dass mich seit langer zeit endlich doch noch einer relativ verstehen kann. daran habsch ja auch schon sehr stark gezweifelt ;)
    ich weis das es nicht von dauer sein kann, dass ich mich immer dann auf die flucht begebe. ich denke ich hab das ganze total unterschätzt. ich habe nicht gedacht, dass es mich doch so beeinflußt. für mich war es normal 100% uneingeschränkt für andere da zu sein. der schmerz, dass ich doch alleine bin, da es für mich keiner tut. habe dazu deinen link von wikipedia helfersyndrom durchgelesen und mich absolut wieder gefunden, auch bei dem artikel co abhängigkeit.
    "damals" als ich mein sohn beerdigt habe, mußte ich quasi eine therapie über mich ergehen lassen. selbsthilfegruppen sind nicht so mein fall. in den einzelnen gesprächen spielte ich all meine gefühle und probleme so runter, dass ich ihr (therapeutin) und mir natürlich auch was vormachte. ich kann da echt überzeugend sein - für den augenblick stark.. so wie ich mein lebenlang sein mußte und auch jetzt hier nach außen bin. keiner würde mir das anssehen!!!! ich denke eine therapie, wo ich wirklich ehrlich mir gegenüber bin, würde mir schon sehr helfen. hier unten leider nicht so einfach, da gibts so ne menge wartezeiten von fast bis zu 2 jahren und von irgendwelchen psychater die mich mit tabletten zu pumpen, halte ich echt nichts. ich "muß" reden, es raus lassen...
    ich hab mich erstemal bewußt zurückgezogen, mich etwas von außen abgeschottet. der neue fragt sich natürlich schon warum, aber ich habe um zeit gebeten und werde mit ihm noch darüber reden. habe angst ihn durch meine probleme zu verlieren. aber das hängt auch mit vergangenen zusammen...

    im grunde weis ich alles theoretisch, die jahre meiner "hobbypsychologie" sind ja auch nicht ganz ohne wissen vorbei gegangen und den anderen konnte ich immer weiterhelfen, also warum nicht auch mir. durch dich habe ich schon mal erkannt, dass ich probleme habe und damit nicht alleine klar komme. jetzt liegt es daran weiter schritte zu gehen und genau da habe ich angst. angst wieder zu glauben ich bin stark, mein gegenüber so zu täuschen das meine probleme klein wirken...

    ich wünsche dir weiterhin die kraft für dich dein weg so zu gehen, wie du möchtest. danke, dass du da warst/bist und "neutral" mit antworten einen einen denkanstoß gibst. hoffe nur, dass du dich dabei nicht verlierst (siehe artikel wiki) :)

    liebe grüße casara
  4. Neelix1965

    Neelix1965 German "Soapboxer"

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    AW: was tun?

    Hallo again,

    zuerst mal nachträglich noch mein herzlichstes Beileid zum Tod deines Sohnes ... nun verstehe ich, dass diese "ganze leidige Geschichte" eine noch intensivere "Qualität hat. (Uff - ich hoffe mal, dass ich mich mit dem Satz nicht in die Nesseln gesetzt habe! :eek:)

    Ich weiß nicht wo "hier unten" ist - wir haben User und Gäste nicht nur in BRD (da wo ich bin). Als ich vor drei Jahren selbst eine Therapie suchte wegen mehrerer Probleme (dazu vielleicht später mehr - sie könnten missverständlich aufgenommen werden) hatte ich auch einige Schwierigkeiten ... allerdings mehr organisatorischer Art ;).

    Ich habe mir damals meinen Therapeuten selber suchen müssen - mein Hausarzt hatte mir damals nicht helfen können bei der Suche. Also ließ ich mir vom KVB (Kassenärztlicher Verband Bayern - mein Bundesland) eine Liste von Kassenärzten geben die eine tiefenpsychologische Zulassung haben und somit meine spätere Psychologin und jetzige Hausärztin gefunden.

    Nun das war die eine "organisatorische" Schwierigkeit die ich hatte - die andere war:
    Ich bin ein Mensch der seit einigen Jahren die - starke - Tendenz hat, meinen Ärzten zu erklären, wie sie mich zu behandeln haben ... und hatte so meine Bedenken ob ich für die Therapie 'über meinen Schatten springen' kann ;). Ich glaube aber, dass ich es doch gut geschafft habe.

    Warum ich das erzähle? Ich kann verstehen, wie groß die Versuchung ist dem Therapeuten das zu erzählen, von dem man glaubt dass er es wissen muss ... und darf. Es ist aber wichtig, sich klar zu machen, dass der Therapeut für dich da ist und deshalb "schonungslos" aufgeklärt werden muss - damit er dir helfen kann.

    Nun was mein eigenes Helfersyndrom angeht ... glaube (nun ja ... hoffe) ich mal, dass ich damit zufriedenstellend klar komme mittlerweile. Es gibt immer wieder mal Rückschläge ... aber mir helfen dann zwei Dinge diese dann schnell wieder zu beenden:

    1. Ich bin mir über diese Problematik immer bewusst und vermeide - wo es geht - bewusst und von mir aus (also ohne Nachfrage beim zu Helfenden) aktiv zu werden.
      Dies ist auch deshalb so leicht, weil einer meiner Grundsätze im Leben ist: Was du nicht willst das man dir tu, das füge keinem anderen zu.
      Und ich HASSE Hilfe die ich nicht erbeten habe und die ich -vielleicht- nicht mal ablehnen kann. Deshalb helfe ich nur dann, wenn ich darum gebeten werde oder ich mir vorher das Einverständnis eingeholt habe.
    2. Ich versuche stets mehr mit Rat als mit Tat zu helfen - immer bewusst, dass der dem ich helfen will, seine Probleme eigentlich selbst lösen muss und ich ihn nur unterstützen kann und möchte.
    Wenn du mehr darüber erfahren möchtest kannst du gerne mal folgenden Beitrag (vor allem die erste der drei Geschichten) lesen: http://forum.hilfe-forum.eu/threads/479327-Was-war-das-Schlimmste-was-Du-jemals-tun-musstest

    Außerdem hilft mir eine andere Maxime in meinem Leben (auch wenn sie sich im ersten Moment etwas ulkig anhört):
    Wenn ich ein Problem habe ... habe ich ein PROBLEM - und ich LÖSE meine Probleme!!!

    (Nun ja ... jedenfalls die die lösbar sind. Mit den anderen ... arangiere ich mich :D)
  5. Flowerpower

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    AW: was tun?

    Du wirst eine Lösung finden müssen um das Erlebte und Erlittene zu verarbeiten, denn diese Vergangenheit gehört zu dir und beeinflusst dein Leben und die Art wir du geworden bist.
    Sie macht einen großen Teil der Menschen aus, ein Zusammenspiel aus erlebtem, aus guten und schlechten Erfahrungen.
    Wegrennen ist nicht möglich.
    Mit Sicherheit haben viele Menschen wesentlich weniger gravierendes aushalten müssen als es dir passiert ist.
    Daher ist es ganz wichtig das du die für dich passende Lösung suchst.
    Nicht jeder Therapeut kann z.B. deiner sein, die Chemie muss stimmen, sonst wirst du nicht nicht öffnen und los lassen können.
    Erkundige dich wieviele Probesitzungen möglich sind und sage gleich beim Therapeuten das du Einzelgespräche möchtest, da du nicht soweit bist schon an Gruppensitzungen teil zu nehmen.

    Ganz allein scheinst du da nicht raus zu kommen.
    Und ein neuer Mann ist da auch keine Lösung, du solltest zuerst an dir als Einzelperson arbeiten und dir helfen lassen, bevor du dazu übergehst es als Paar zu versuchen.

    Lass dir Zeit, es ist schon ein guter Anfang das du dich nicht zur Coabhängigen machen lässt und dich für deinen Ex verantwortlich fühlst, denn da hast du Recht, man ist für ich selbst verantwortlich und es ist nicht dein Problem was er macht, das ist sein Ding.
    Menschen sagen das um andere unter Druck zu setzen und zu versuchen das sie sich verantwortlich fühlen und machen was man will.
    Gut das du dich nicht darauf einlässt.

    Alles Gute, ich hoffe du findest bald jemanden dem du dich öffnen kannst und mit dem du Dinge aufarbeiten kannst die du bei anderen einfach weglächelst statt aus dir raus zu gehen.

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