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Kritik zu Resident Evil: Afterlife

Discussion in 'Musik und Filme' started by Alpha, Sep 24, 2010.

  1. Alpha

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    Resident Evil: Afterlife


    Copyright: Constantin Filmverleih

    Originaltitel: Resident Evil: Afterlife
    Herstellungsland: USA, Großbritannien, Deutschland
    Erscheinungsjahr: 2010
    Regie: Paul W.S. Anderson
    Darsteller: Milla Jovovich, Ali Larter, Wentworth Miller, Sienna Guillory, Boris Kodjoe, Shawn Roberts, Spencer Locke, Kim Coates, Kacey Barnfield, Sergio Peris-Mencheta u.a.

    Machen wir uns doch nichts vor. Resident Evil ist eine der Filmserien, von der sich jeder Gamer und Filmfan wohl schnellstens einmal ein passendes Reboot wünschen würde. Denn so wirklich viel mit der Vorlage hatte bisher keiner der Filme zu tun und losgelöst von der Vorlage taugten die filmischen Ergüsse auch nicht wirklich viel. Zumindest für die Actionfans unter uns bot die Reihe aber dennoch einige Momente, die man durchaus gut weggucken konnte. Und hatte man sich mit dem dümmer, lauter, noch dümmerer Grundgedanken der Filme angefreundet und den katastrophal miesen zweiten Teil ausgeblendet, blieben da zwei zumindest rudimentär unterhaltsame Streifen zurück. Ob es nun einen vierten Teil brauchte, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, es gibt ihn. Fakt ist auch, er läuft gerade im Kino. Ein weiterer Fakt ist, die Fans strömen wieder in Scharen in die Lichtspielhäuser. Es könnte ja ein Film entstanden sein, der auch nur entfernt etwas mit den Spielvorlagen zu tun hat. Der 3D Schriftzug hinterm Titel könnte aber auch ein Grund sein ...

    Wer sich nun in den Film verirrt hat, erlebt folgende Resident Evil Routine. Die ersten Minuten werden wir wie gewohnt mit dem T-Virus vollgeschwafelt, es folgt eine fette Actionszene, darauf eine hochnotpeinliche Robinsonade, die in einen zugelaberten, sinnbefreiten Mittelteil in einem von Zombies umzingelten Gefängnis gipfelt und dann irgendwie in Richtung Showdown holpert. Die Story dahinter ist so simpel wie egal. Man sucht den letzten Ort auf Erden, der nicht kontaminiert ist. Klingt wie die Vorgängerfilme? Klaro, baut ja auch direkt auf jenen auf. Und so haben wir nun schon vier Filme, die zum gleichen Thema nichts zu sagen haben. Doch als Actionfan ist man ja leidensfähig. Hauptsache der Film hangelt sich von Actionszene zu Actionszene – verdammt noch mal! Leider klappt das diesmal nicht so wirklich. Nachdem eine Handvoll Alice Klone einen Umbrella Bau in Tokio zerstört hat, haut Regisseur Paul W.S. Anderson nämlich brutalst die Bremse rein! Alice schaut fortan traurig in eine Videokamera und labert sich einen Wolf, dann trifft sie viele andere Laberer und alle labern sich gemeinsam einen Gevatter Isegrim. So holprig wie hier rettete sich wahrlich noch kein Resident Evil Erguss über die Runden.

    Langweile ist ebenso vorprogrammiert wie der für den Film vollkommen katastrophal verlaufende Prozess, dass zu wenig optischer Bombast für Ablenkung sorgt. Und so fragt man sich recht flott, wieso Anderson bestimmte Plotelemente einführt, um sie nie wieder zu nutzen, geschweige denn zu erwähnen. Exemplarisch sei die „Deaktivierung“ der T-Zellen in Alice genannt. Hat denn da nicht noch einmal einer das Drehbuch wenigstens quergelesen? Anscheinend nicht. Und wie sich Wentworth Miller in diesen Film verirren konnte, weiß er vermutlich selbst nicht. Oder aber er dachte, es sei irgendwie ironisch oder witzig, als erstes großes Projekt nach „Prison Break“ einen Film anzunehmen, in dem er wieder aus einem Knast ausbricht. Davon abgesehen fiel nämlich niemandem etwas in Richtung seiner Figur ein, die fortan einfach immer irgendwo am Rand rumsteht oder Gülle labert. Und das ist nur eine der neu eingeführten Figuren. Dass die anderen auch keinen rechten Sinn machen ... wen juckt es? Das ist nun mal ein Film über Hirntote ... anscheinend sogar geschrieben von Hirntoten.

    Ich denke mal, dahingehend dürfte nun alles zu den drehbuchtechnischen Höhenflügen des vierten Resident Evil Streifens gesagt sein. Darum wenden wir uns nun einfach mal seinem Regisseur zu. Denn in Bezug auf „Große Jungs Regisseur“ Paul W.S. Anderson werden drei Punkte ganz offensichtlich! 1. Er hätte soooooooo gerne Matrix 4 gedreht. 2. Keiner findet seine eigene Ehefrau so geil wie er! 3. Er hat einen Film gedreht, der so brutal wie keiner zuvor auf 3D ausgerichtet wurde. Punkt zwei muss man, denke ich, nicht weiter unterfüttern, dazu schwebt Frau Jovovich einfach zu oft in hautengen Klamotten in Zeitlupe an der Kameralinse vorbei. Leider hat dem Paul niemand gesagt, dass seine Frau weitgehend eine recht talentfreie Zone ist. Die Drehbuchautoren wussten es, die haben nämlich alle Gefühle, die Frau Jovovich transportieren muss, noch einmal für sie verbalisiert, damit sie sie noch einmal in die Kamera ihres Ehemannes sagen kann. Stattdessen wäre ein wenig Schauspielunterricht toll gewesen. Von ordentlichem Kampftraining ganz zu schweigen, denn Frau Jovovich wirkt teils schon extrem steif in den Actionszenen.

    Punkt eins sieht man ebenfalls an allen Ecken und Enden. Seien es die Lederklamotten, der sterile Look der Einstiegsszene und des Showdowns, die Gestik und Mimik der Darsteller und der ganze Habitus der Figuren oder Bullet Time an allen Ecken und Enden. Resident Evil: Afterlife ist mehr ein weiterer Wachowski Streifen denn ein Resident Evil Film. Zugegeben, das macht zu Beginn sogar durchaus Laune, weil durch die übergroßen Actionchoreografien durchaus diverse „Leck mich fett“ Momente generiert werden, die jedem zeitgenössischen Actionfilm gut stehen würden, aber wenn man merkt, dass dieses Stilgewitter aus Bullet Time und einem Überfluss an Zeitlupen nicht highlightartig gesetzt wird, sondern zum reinen Prinzip mutiert, jede Actionszene ins Endlose zerdehnt und ihr jedwede Form von Rhythmus und Tempo nimmt, wird’s schon schwer bedenklich. Und eines hätte man Anderson auch sagen sollen: Wenn die Leute in höchster Anstrengung sind, bitte keine Zeitlupe setzen! Das gehört sich einfach nicht! Das könnte nämlich schnell so aussehen, als betrachte man die Leute beim Verrichten ihrer Notdurft und *schwupps* wird eine cool gemeinte Szene ein Hort unfreiwilliger Komik. Außer freilich, Anderson schaut gerne zu, wenn seine Milla kackt. Ich will das ehrlicherweise nicht sehen.

    Tja, und Punkt drei steht für das Highlight des Filmes und das ist seine wirklich frappierend geile 3D Technik. Diese setzt Anderson sowohl subtil für eine geniale Tiefenschärfe und Plastizität ein als auch um Highlights in seiner Action zu setzen, was in Form von herumspratzenden Blutfontänen, auf den Zuschauer gerichtete Riesenwummen und auf ihn zufliegende Hämmer in XXL Ausführung richtig geil funktioniert und ohne Ende Spaß macht! In keinem einzigen anderen Aspekt seines Filmes ist Anderson so auf der Höhe dessen, was die Zuschauer sehen wollen, wie in diesem Punkt. Allerdings spürt man auch überdeutlich, dass manche Szenen auch wirklich nur wegen der 3D Wirkung drin sind und ohne den Effekt wirklich gar nicht funktionieren würden. Auch hatte ich das Gefühl, dass wenn man die 3D Wirkung in so manchen Sequenzen im Mittelteil abzieht und somit auch ein oder zwei imposante Bilder aus dem Film fliegen, dieser Abschnitt noch zerdehnter und langweiliger wirken könnte. Aber: Hätte, wäre, wenn … hier funktioniert es! Und vor allem hat Anderson erkannt, dass seine bisherige Art, Action zu inszenieren, in 3D nicht funktioniert. Und so setzt es hier keinen hektischen Schnittsalat. Ganz im Gegenteil.

    Was mir persönlich noch sehr gefiel, waren zwei irre Elemente des Filmes. Der eine dreht sich um einen Zombietyp mit einer Riesenaxt, der wie aus dem Silent Hill Universum entflohen wirkt und der dem Film in seinen leider zu wenigen Auftritten locker 2-3 Coolnesspunkte verschafft und einen hoffen lässt, dass die Silent Hill Kreaturen auch irgendwann mal in 3D auf uns zustaksen werden. Element zwei, das einfach mal wortwörtlich alles rockte, war der irre Industrial Soundtrack von tomandandy, der einem sprichwörtlich durch die Knochen fegte und so themenaffin daherkam wie zuletzt kaum ein anderer Soundtrack. Genial! Diesen beiden Punkten stehen dann wieder ganz viele andere Punkte gegenüber, die so gar nicht funktionieren wollten. Was sollten die mies getricksten Zombiehunde, die sogar von denen aus Teil I getoppt werden? Wieso war Frau Jovovich nicht einmal nackt? Wieso wird Jill Valentine im Abspann verheizt? Was sollten diese komischen Injektionsgeräte darstellen? Wieso erinnerte mich der Oberbäddie Wesker in seiner Unzerstörbarkeit an den Coyoten aus Roadrunner? Was ist an Münzen, die als Munition verwendet werden, so faszinierend, dass man dies bis zum Erbrechen in Zeitlupe zelebrieren muss? Wieso tut Ali Larter in dem Franchise immer so, als könne sie nicht schauspielern? Und was sollten denn bitte diese Maulwurfzombies? Paul? Ne Idee? Vielleicht in Bullet Time?

    ---------- Fazitatorisches Fazit ------------

    Was bleibt, ist nach dem grandios old schooligen dritten Teil, der einen dank dem neuen Setting und der straight durchgezogenen Mad Max Routine durchaus begeistern konnte, ein eindeutiger Schritt in die falsche Richtung. Das Großstadtsetting ist einfach ausgelutscht, die Story um die Suche nach irgendwelchen McGuffin Orten inzwischen auch und die wirklich üble Ernsthaftigkeit driftet spätestens in diesem Film brutal in Richtung Peinlichkeit ab. In meiner Vorführung gab es an manchen Momenten richtiggehend Hohngelächter zu vernehmen. Auch holpert es im Storygetriebe des Filmes teils gar heftig und so wie hier hat sich noch kein Film aus dem Franchise von der Einstiegsactionszene zum Showdown geschleppt. Spannung und Atmosphäre aus den Spielvorlagen sollte man hier definitiv nicht vermuten. Eher Schocks der Marke 0815 (ein riesiger Spoiler: Wer immer sich in dem Film umdreht, stirbt! Achtet mal drauf ). Resident Evil IV versteht sich erneut eher als Actionachterbahnfahrt. Leider wird die in Ansätzen cool choreographierte Action immer wieder in ihrem Rhythmus gestört und irgendwann schaltet Anderson wirklich bei jedem Anflug von Hektik im Bild in die Zeitlupe. Teils mit wahrhaft erheiternden Folgen, teils mit ehrerbietender Präzision. Zumindest bemüht sich Anderson um einen netten Look und manche Momente haben richtiggehend Klasse! Hier sei noch die grandiose Einstiegsszene genannt, in der die Kamera zu den hämmernden Sounds von tomandandy in Zeitlupe an den Beinen einer Infizierten emporklettert. Leider kommen auf geniale Momente wie diesen zig unfreiwillig komische oder schlicht dämliche, von diversen Plotholes, beknackten und sinnbefreiten Dialogen und wirklich unfähigen Darstellern ganz zu schweigen. Was definitiv empfohlen werden muss, ist die geniale 3D Technik hinter dem Streifen, die wirklich großartig eingesetzt wird (und in Deutschland um einige zu graphische „Auf die Kameraspritzeffekte“ erleichtert wurde). Ansonsten würde ich den Film hinter Teil I und III einordnen. Teil II existiert für mich nicht

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